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Raul

  • 1993 ließ ich mich in Wien bei Klaus Fuhrmann tätowieren, der mir auch das Tätowieren als Beruf nahe legte. Also besorgte ich mir die Grundausrüstung und arbeitete autodidaktisch vor mich hin, bis ich 95 wieder nach Wien kam und dort für einen Monat bei Klaus in seinem Studio arbeitete.


    Ergebnisse: viel neues Input, Überdenken der eigenen Fähigkeiten, Verzweiflung, angestachelter Ehrgeiz
    Folgen: 2 Jahre intensives Heimstudium, Zeichnen, Zeichnen und noch viel mehr Zeichnen, zusätzlich zum Tätowieren

    1997 tat ich mich dann mit Stef zusammen, das Subcutan Shit for life Studio im Münchener Kunstpark Ost ward geboren.

    Ergebnisse: neues Input, Überarbeiten der eigenen Fähigkeiten, Ausbauen, immer mal wieder Verzweiflung, gefolgt von Phasen des Grössenwahns
    Folgen: mehr Zeichnen, mehr Tätowieren

    2000 trennten sich die Wege von Stef und mir, ich machte mein eigenes Studio in der Franziskaner Straße auf. Im Laufe der Zeit traf ich immer mal wieder auf andere Tätowierer, von denen ich stellenweise viel gelernt habe, an dieser Stelle ein fettes Danke an sie.

    Ich höre immer mal wieder, daß ich nur Biomechanik machen oder können würde, etwas, das mir aus meinen frühen Jahren nachhängt. Vielleicht liegt das daran, daß sich mit dieser Art von Motiven damals am Besten ein gewisser Fluss aufbauen ließ.
    Um mich diesem intensiv widmen zu können kam es hin und wieder mal vor, daß ich gewisse Motive abgelehnt habe, das war auch deswegen notwendig, weil ich in diesen Sachen nicht genug Sicherhaeit hatte oder auch nicht die Erfahrung, um sie auf meine Art und Weise umzusetzen.
    Nun, ich liebe nach wie vor den Fluss, den man mit Biomechanik kreieren kann, das lässt sich aber auch mit anderen Sachen machen, ob es Blumen, New-School, Japanesisches oder was auch immer ist, das hängt alles vom Kunden ab.
    Ob der Fluss dabei stark hervortritt oder nur ganz subtil auf "unteren" Ebenen sich vollzieht hängt auch von Eurem Output ab, also, gebt mir Infos so viel wie geht, wenn ihr euch etwas machen lassen möchtet.
    Meiner Meinung nach ist es recht wichtig, das Motiv eben in diesen gewissen Fluss, den auch der Körper diktiert, einzubetten, damit das Motiv nicht einfach nur draufgepappt wird, sondern daß es mit dem Körper harmoniert, in diesen eingeht, eine wirkliche Einheit bildet, nicht nur Leinwand und etwas darauf Gesetztes. Das ist es schließlich auch, was ein Tattoo von einer Zeichnung unterscheidet, der Körper hat Kurven, Biegungen, ein Blatt ist platt.

    2004 kam dann schließlich ein kleiner Wendepunkt, das Studio wurde umbenannt in Hits for life Tattoo.
    Warum: gute Frage
    Folgen: nicht absehbar

    Der Name Shit for life kam aus mehreren Gründen. Einerseits waren da Studios mit wunderbaren, aufmerksamkeitsheischenden Namen, einer schöner als der andere, und oftmals waren die Tattoos aus diesen Studios unter aller Sau ( ich bin in diesem Punkt durchaus bereit eine gewisse Überheblichkeit einzugestehen......)
    Andererseits kommt es aus meiner Überzeugung, daß Tattoos mehr sind als lediglich Schmuck, sie symbolisieren immer etwas, jedes Tattoo hat irgendwo seine Bedeutung, und meistens hat das etwas mit unterbewußten Themen zu tun die sich ihren Weg an die Oberfläche bahnen. Nicht immer, und wer ein Tattoo nur als Schmuck mag, den schicke ich auch nicht unbedingt gleich weg.
    Dann war es auch noch ein kleiner Seitenhieb auf die Leute, die sich hinstellen, nach dem Motto, so ein Scheiß, das wirst du bestimmt noch mal bereuen, und wie das ausschaut, was wirst du mal machen, wenn du erst alt und runzelig bist. Als ob das dann nicht auch egal wäre.
    Und der Gründe noch viele mehr, zu viele zum aufführen.
    Warum die Namensänderung?
    Leider habe ich im Laufe der Zeit feststellen müssen, daß die Leute zwar ganz gerne viel und oft Scheiße sagen und teilweise noch mehr Scheiße reden ( bitte nicht angesprochen fühlen), aber mit Namen, in denen das Wort Scheiße vorkommt (auch wenn der echt gute Scheiß gemeint ist) Probleme haben und sie als recht negativ erachten.
    Hits for life steht für dasselbe wie Shit for life, die Buchstaben sind genau die selben, nur dass die Reihenfolge vertauscht ist.
    Das nennt sich ein Anagramm, ein Wort, das die selben Buchstaben, diese aber lediglich in einer anderen Reihenfolge enthält.
    Die nächste Ebene wäre dann nämlich it-for-life, des Pudels Kern.
    Dann wurde Ende 2005 der Beschluß gefasst, einen feuchten frechen Wind in den Raum zu stellen und Jeden selbst entscheiden zu lassen, wat er jetzt denn will- Hitsforlife oder Shitforlife, läuft wie schon erwähnt eh allet uff
    << IT= ES >> eins raus:.............äh?


     

    2005 startete ich mit der Entwicklung meiner eigenen Tätowiermaschinen.

    Wieso: Ich war nicht mehr zufrieden mit dem,was meine alten Maschinen lieferten und anscheinend war mir langweilig

    Was hats gebracht: meiner Meinung nach eine gewaltige Verschiebung auf der Feinheitsskala



     

    Bei dem folgenden Punkt habe ich lange überlegt, eine Nichterwähnung würde meiner Meinung nach jedoch ein "Loch" in meiner Bio aufwerfen....deswegen eine kurze Erwähnung.



     

    Ebenfalls 2005 kam ein junger Mann bei mir vorbei, der mit seiner Anfrage auf Ausbildung bereits bei diversen Studios abgewiesen worden war. Ich sah das Potential , das in ihm steckte und nahm an, dass dieses Potential auch der Grund für seine bisherigen Ablehnungen gewesen war.

    Allerdings war auch von Anfang an eine gewisse Attitüde festzustellen, auf die Frage, warum er denn die Kunst-FOS abgebrochen habe folgte die Antwort er habe von seinen Lehrern nichts lernen können.

    Bis zu dem Punkt an dem ich ihn bat das Studio zu verlassen zeigte sich immer wieder diese Einstellung. Auch wenn ich sagen kann, dass ich sehr viel gelernt habe.

    Sein erstes Tattoo auf einem Freund waren die 7 Todsünden: Stolz, Gier, Neid, Zorn, Wollust, Maßlosigkeit und Faulheit ( ich bitte um Verzeihung wenn ich die richtige Wortwahl nicht exakt wiedergegeben habe).

    Im Laufe seines 2 und halb Jahre währenden Aufenthalts bei mir hatte ich wiederholt den Eindruck, dass sein erstes Tattoo wohl einen Spiegel dargestellt hatte......

    2008, fast zeitgleich mit seinem Ausscheiden kam ein neuer Tätowierer von einem anderen Münchner Studio zu mir, der dann 2010 den Laden verließ.

    Warum: wird nicht verraten

    Folgen: zu viele um darauf einzugehen


    2009 schloß ich ein Fernstudium in Betriebswirtschaft ab

    Und warum des scho wieder? : Irgendwas braucht man ja um sich die Zeit zu vertreiben.

    Und was hat des geschoben: einen neuen Laden, in der Tegernseer Landstr. 176.

    Der Vertag für die Franzi war auf 10 Jahre geschlossen und "kurz" davor auszulaufen. Es waren interessante Zeiten des Aufbaus und der Zerstörung, vielen vielen Dank an alle Beteiligten!



     

    Seit Ende 2010 steht der Laden in der Tegernseer Landstrasse alleine da, und der Name war ( als ob man es nicht schon vorgewarnt hatte)..........It..for Life Tattoo....

    Und seitdem geht es weiter.......auf ein Neues!

    Das kam jetzt 2013, als mir die Vermieter in der Tela netterweise 2 Wochen vor Übergabe mitteilte, dass das Anwesen verkauft wurde. Zu spät um noch den Vertrag zu verlängern hatte ich das Vergnügen einen Münchner Immobilienspekulanten der feinsten Sorte kennen zu lernen.

    Effektiv kann ich mich dafür nur bedanken, neuer Halt Taufkirchen, Oberweg 8, ein neuer Laden- in neuem angenehm ruhigen Ambiente.

    Das endgültige Ende in der Tela ist der 19. Juli 2014, danach gibt es mal wieder Zerstörung und Aufbau.


    In dem Sinne, Raul